Englisches Lektorat für Wissenschaftler: Was Sie wissen müssen
Wer als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler in einer internationalen Fachzeitschrift publizieren möchte, muss nicht nur methodisch überzeugen — das Manuskript muss auch auf Englisch klar, präzise und professionell formuliert sein. Dieser Leitfaden erklärt, was Redakteure internationaler Zeitschriften von nicht-muttersprachlichen Manuskripten erwarten, was eine Lektoratsbescheinigung ist und wann sie erforderlich ist, und worauf Sie bei der Auswahl eines Lektoratsdienstes achten sollten.
Was Zeitschriftenredakteure von nicht-muttersprachlichen Manuskripten erwarten
Internationale Fachzeitschriften bewerten eingehende Manuskripte in zwei Dimensionen gleichzeitig: die wissenschaftliche Qualität der Forschung und die sprachliche Qualität des Textes. Manuskripte, die den Sprachstandard der Zeitschrift nicht erfüllen, werden häufig bereits vor der Begutachtung durch Gutachter abgelehnt — ein sogenanntes Desk Rejection. Bei führenden Zeitschriften liegt die Desk-Rejection-Rate oft bei 50 bis 70 Prozent aller Einreichungen.
Redakteure erwarten keine perfekte Imitation muttersprachlichen Stils. Sie erwarten jedoch, dass das Manuskript effizient lesbar ist: dass Sätze klar strukturiert sind, Terminologie konsistent verwendet wird, der Argumentationsfluss nachvollziehbar ist und grammatikalische Fehler das Verständnis nicht behindern. Ein Manuskript, das einen erfahrenen Leser zwingt, Sätze mehrfach zu lesen, wird selten zur Begutachtung weitergeleitet.
Die häufigsten Sprachprobleme in deutschsprachig beeinflussten Manuskripten
Deutschsprachige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schreiben oft grammatikalisch korrektes Englisch, das dennoch für Muttersprachler unnatürlich wirkt. Das liegt nicht an mangelnden Englischkenntnissen, sondern an strukturellen Unterschieden zwischen dem Deutschen und dem Englischen. Folgende Muster treten besonders häufig auf:
- Zu lange, stark verschachtelte Sätze. Das Deutsche erlaubt und bevorzugt lange Sätze mit mehreren Nebensätzen, die vor dem Hauptverb stehen. Im Englischen erzeugt diese Struktur Sätze, die grammatikalisch korrekt sind, aber mühsam zu lesen wirken. Englische Fachtexte bevorzugen kürzere Sätze mit klarer Subjekt-Verb-Objekt-Struktur. Ein Satz, der auf Deutsch natürlich ist, sollte auf Englisch oft in zwei oder drei Sätze aufgeteilt werden.
- Substantivierungen. Das Deutsche neigt zur Bildung von Abstraktnomen aus Verben (zum Beispiel „die Durchführung einer Analyse" statt „wir analysierten"). Im Englischen wirkt diese Konstruktion schwerfällig. Direktere Verbkonstruktionen sind fast immer vorzuziehen.
- Passivkonstruktionen. Deutschsprachige Fachtexte verwenden das Passiv häufiger als englischsprachige Texte. Viele internationale Zeitschriften, insbesondere in den Naturwissenschaften, bevorzugen mittlerweile Aktivkonstruktionen in Methoden- und Ergebnisabschnitten. „We conducted a survey of 320 participants" ist klarer und direkter als „A survey of 320 participants was conducted."
- Artikelfehler. Das Deutsche verfügt über ein grammatisches Genus (der, die, das), das sich nicht direkt auf das englische Artikelsystem überträgt. Die Entscheidung zwischen „a", „an", „the" und keinem Artikel folgt anderen Regeln als im Deutschen und ist eine der häufigsten Fehlerquellen in deutschsprachig beeinflussten Texten.
- Komposita und Nominalphrasen. Das Deutsche bildet frei zusammengesetzte Substantive, die sich im Englischen nicht direkt übertragen lassen. „Forschungsergebnisdarstellungsformat" wird im Englischen zu „the format used to present research results" — eine Umstrukturierung, die idiomatisches Sprachgefühl erfordert.
Was eine Lektoratsbescheinigung ist und wann Sie sie benötigen
Eine Lektoratsbescheinigung (auf Englisch: Certificate of Editing oder Language Editing Certificate) ist ein formelles Dokument, das bestätigt, dass ein Manuskript von einem qualifizierten englischen Muttersprachler überprüft wurde. Sie enthält in der Regel den Titel des Manuskripts, den Namen oder die Kennnummer des Lektors, das Datum des Lektorats sowie die Bestätigung, dass der Lektor ein englischer Muttersprachler ist.
Wann verlangen Zeitschriften eine Lektoratsbescheinigung?
Die Anforderung wird von verschiedenen Zeitschriften unterschiedlich formuliert. Typische Formulierungen in den Autorenrichtlinien sind:
- „Authors whose first language is not English are strongly encouraged to have their manuscript professionally edited before submission."
- „Manuscripts may be returned to authors for language editing prior to peer review."
- „A certificate of English language editing must be provided with submission."
In allen drei Fällen ist die Einreichung mit einer Lektoratsbescheinigung die praktische Antwort. Sie beseitigt einen potenziellen Grund für das Desk Rejection, bevor das Manuskript überhaupt gelesen wird. Besonders häufig ist die Anforderung bei Zeitschriften der Verlage Elsevier, Springer Nature, Wiley und Taylor and Francis sowie in medizinischen Zeitschriften, die den ICMJE-Richtlinien folgen.
Wann ist eine Lektoratsbescheinigung auch ohne ausdrückliche Anforderung sinnvoll?
Auch wenn eine Zeitschrift keine Bescheinigung ausdrücklich verlangt, kann sie bei der Einreichung beigefügt werden. Sie signalisiert dem Redakteur, dass die Sprachqualität professionell geprüft wurde, und kann dazu beitragen, das Manuskript bei der Erstbewertung positiv zu positionieren. Das gilt insbesondere in Fachgebieten, in denen Zeitschriften hohe Einreichungsvolumina aus nicht-englischsprachigen Ländern erhalten.
Wichtig: Die Bescheinigung muss menschliches Lektorat bestätigen
Zeitschriften, die eine Lektoratsbescheinigung verlangen, meinen damit in der Regel ein Lektorat durch einen menschlichen englischen Muttersprachler — nicht durch KI-Tools oder automatisierte Grammatikprüfer. Eine Bescheinigung, die von einem Dienst ausgestellt wird, der KI-Tools verwendet, erfüllt diese Anforderung nicht. Achten Sie bei der Auswahl eines Lektoratsdienstes darauf, dass ausdrücklich bestätigt wird, dass ausschließlich menschliche Lektoren eingesetzt werden.
Wie Sie zwischen Lektoratsdiensten wählen
Die Qualität von Lektoratsdiensten variiert erheblich. Für die Einreichung bei internationalen Fachzeitschriften sind folgende Kriterien entscheidend:
Nur Muttersprachler
Alle Lektoren sollten englische Muttersprachler aus dem englischsprachigen Raum (USA, Vereinigtes Königreich, Kanada, Australien) sein. Auch sehr gute Nicht-Muttersprachler verfügen nicht über die sprachliche Intuition, die erforderlich ist, um die subtilen Unnatürlichkeiten zu erkennen, die in deutschsprachig beeinflussten Texten entstehen. Das ist keine Frage des Könnens, sondern eine Frage des Sprachgefühls, das durch jahrzehntelange Immersion entsteht.
Fachliche Expertise in Ihrem Gebiet
Ein Lektor mit akademischem Hintergrund in Ihrem Fachgebiet versteht Ihre Terminologie, kennt die sprachlichen Konventionen Ihrer Disziplin und kann zwischen einer bewussten stilistischen Entscheidung und einem Fehler unterscheiden. Ein allgemeiner Lektor ohne Fachkenntnisse kann zwar Grammatikfehler korrigieren, aber nicht beurteilen, ob ein Hedging-Ausdruck dem Standard Ihres Feldes entspricht oder ob eine methodische Aussage die richtige Präzision hat.
Kein Einsatz von KI-Tools
Viele Dienste setzen KI-Grammatikprüfer oder KI-Schreibassistenten ein und bezeichnen das Ergebnis als „menschliches Lektorat". KI-Tools können offensichtliche Grammatikfehler erkennen, aber keine rhetorischen Probleme: einen Gap Statement, der zu spät im Text erscheint, eine Diskussion, die Ergebnisse zusammenfasst statt zu interpretieren, oder Hedging-Sprache, die nicht zur Stärke der Befunde passt. Diese Probleme sind die häufigsten Gründe für Gutachter-Kritik — und sie erfordern echtes menschliches Urteilsvermögen. Fragen Sie explizit, ob der Dienst KI-Tools einsetzt, und wählen Sie nur Dienste, die das verneinen.
Britisches Englisch als Option
Viele europäische Fachzeitschriften und Verlage (darunter zahlreiche Springer-Zeitschriften) bevorzugen oder erfordern Britisches Englisch. Achten Sie darauf, dass der Lektoratsdienst Britisches Englisch explizit als Option anbietet und dass der zugewiesene Lektor tatsächlich mit britischen Rechtschreib- und Stilkonventionen vertraut ist.
Nachvollziehbare Änderungen (Track Changes)
Ein professionell lektoriertes Manuskript sollte mit der Microsoft-Funktion „Änderungen verfolgen" zurückgegeben werden, sodass Sie jede Überarbeitung einzeln annehmen oder ablehnen können. Das ist aus zwei Gründen wichtig: Sie behalten die Kontrolle über Ihr Manuskript, und Sie lernen aus den Korrekturen für zukünftige Texte.
Transparente Preise und Lieferzeiten
Seriöse Dienste geben Preise und Lieferzeiten klar an, bevor Sie sich verpflichten. Nutzen Sie einen Preisrechner, um das genaue Angebot für Ihre Wortanzahl und Wunsch-Lieferzeit zu ermitteln. Für dringende Einreichungen sollten Lieferzeiten von 2 bis 8 Stunden verfügbar sein.
Unabhängig verifizierte Bewertungen
Testimonials auf der eigenen Website des Anbieters sind kein verlässliches Qualitätsmerkmal. Achten Sie auf Bewertungen auf unabhängigen Plattformen wie Google Reviews oder dem Better Business Bureau (BBB), die nicht vom Anbieter moderiert werden können.
Checkliste vor der Einreichung
Bevor Sie Ihr Manuskript bei einer internationalen Zeitschrift einreichen, prüfen Sie folgende Punkte:
- Wurde das Manuskript von einem englischen Muttersprachler mit Fachkenntnissen in Ihrem Gebiet lektoriert?
- Ist die Terminologie im gesamten Manuskript konsistent — über alle Abschnitte hinweg?
- Erscheint der Gap Statement explizit und früh in der Einleitung?
- Werden Methoden und Ergebnisse in der Vergangenheitsform beschrieben?
- Sind die Schlussfolgerungen spezifisch und selbstbewusst formuliert?
- Verlangt die Zielzeitschrift eine Lektoratsbescheinigung? Wenn ja, liegt sie vor?
- Entspricht das Abstract dem geforderten Format (strukturiert oder unstrukturiert) und der Wortgrenze?
- Wurden Ergebnisse spezifisch und konkret formuliert (nicht vage wie „positive Ergebnisse wurden erzielt")?
Weiterführende Ressourcen
Die folgenden Ressourcen auf editorworld.com sind speziell für deutschsprachige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verfasst:
- Editor World auf Deutsch — vollständige Serviceinformationen auf Deutsch, einschließlich Preisrechner und Lektoren-Übersicht
- English Editing Services in Germany — englischsprachige Serviceinformationen mit spezifischem Fokus auf die Anforderungen des deutschen Forschungsumfelds (DFG, Max-Planck-Gesellschaft, Exzellenzstrategie)
- Journal Article Editing — professionelles Lektorat für Zeitschriftenartikel mit Lektoratsbescheinigung auf Anfrage
- Academic Editing — akademisches Lektorat für alle Dokumenttypen
- ESL Editing — Lektorat speziell für Autoren, deren Muttersprache nicht Englisch ist
Englisches Lektorat mit Lektoratsbescheinigung — ab 2 Stunden
Editor World verbindet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland mit englischen Muttersprachlern, die über fachliche Expertise in Ihrem Forschungsgebiet verfügen. 100% menschliches Lektorat, keine KI-Tools. Lektoratsbescheinigung kostenfrei auf Anfrage. BBB A+ zertifiziert seit 2010. Britisches Englisch verfügbar.
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